Rhodos, das ist die Hauptinsel der Dodekanes, der griechischen Inselgruppe, die sich in der südöstlichen Ägäis vor der türkischen Küste erstreckt. Da es in Griechenland für fast jeden Ort eine mythologische Entstehungsgeschichte gibt, erstaunt es nicht, dass auch Rhodos mit einer solchen Erklärung aufwartet.
Der Mythos über die Entstehung von Rhodos
Dem Mythos, der die Insel Rhodos umgibt, zufolge war es die Kraft der Götter, und zwar des Göttervaters Zeus, die Rhodos aus dem Meer emporhob. Da sich die Insel im Meer befand, unterstand sie zunächst dem Schutz des Meeresgottes Poseidon. Dieser übertrug den Schutz der Insel seiner Tochter Rhode, einer schönen Nymphe, die dauerhaft auf der Insel lebte und letztendlich ihre Namensgeberin ist. Als Zeus später das griechische Reich unter den einzelnen Göttern aufteilte, wünschte der Sonnengott Helios sich diese fruchtbare Insel und benannte sie nach der schönen Nymphe, in die er sich verliebt hatte.
Rhode und Helios wurden ein Paar und zeugten sieben Söhne, die, genauso, wie die Töchter des Helios, Heliaden genannt wurden. Der älteste unter ihnen bekam die drei Söhne Kameiros, Ialysos und Lindos. Nach ihnen, die als Gründerväter der Insel in die Mythologie eingingen, wurden die drei antiken Städte auf Rhodos benannt.
Rhodos ist schon sehr alt
Natürlich gibt es auch eine wissenschaftlich fundierte Geschichte der Insel und die beginnt bereits in der Jungsteinzeit. Denn in dieser Zeit wurde Rhodos erstmals besiedelt. Erste archäologische Funde auf der Insel stammen aus der Zeit um 2800 v. Chr. Zur Bronzezeit hatte sich auf der Insel bereits eine bedeutende Ansiedlung gebildet. Ab dem 16. Jahrhundert v. Chr. kamen andere griechische Volksstämme auf die Insel, zunächst die Minoer von der Insel Kreta, später die Mykener aus der mächtigen, antiken Stadt auf dem Peleponnes und ab dem 11. Jahrhundert v. Chr. die Dorer aus dem Norden des heutigen Griechenlands. Sie waren schließlich die Gründer der ersten drei, nach den mythologischen Gründervätern benannten Städte auf der Insel. Lange Zeit waren Lindos, Kameiros und Ialysos bedeutende Städte und gehörten dem dorischen Sechsstädtebund an.
In Lindos wurden große Tempelanlagen errichtet, deren Bedeutung weit über die Insel hinaus reichte. Rhodos profitierte bereits in der Antike von seiner geografischen Lage auf dem Seeweg zwischen Griechenland und der Levante und entwickelte sich aufgrund des Fernhandels zu einer wirtschaftlich und kulturell bedeutenden Insel. Nach mehreren Kriegsbeteiligungen und dem Ionischen Aufstand im 6. Jahrhundert v. Chr. geriet Rhodos unter den Einfluss des Persischen Reiches. Im Jahr 479 v. Chr. traten die drei Städte der Insel schließlich nach den Niederlagen der Perser in den Perserkriegen dem attischen Seebund bei.
Gründung der Stadt Rhodos und Erlangung der Unabhängigkeit
Eine bedeutende Veränderung erfuhr Rhodos um 400 v. Chr., denn zu dieser Zeit gründete man an der nördlichen Spitze der Insel eine neue Stadt, die Stadt Rhodos, die sich nur ein Jahrhundert später zu einem wichtigen Handelsplatz entwickelt hatte, der sogar Athen an Bedeutung übertraf. Zu derselben Zeit löste sich der Attische Seebund auf, so dass Rhodos frei und unabhängig wurde. Rhodos geriet auf der Seite Philipps II. in dessen Krieg gegen Athen und Theben und widerstand im 3. Jahrhundert v. Chr. einem Belagerungsversuch.
Aus Dankbarkeit für den Erhalt der Freiheit, von dem man glaubte, dass er dem Inselgott Helios zu verdanken war, schuf man eine berühmte und sagenumwobene Statue, die zu den antiken sieben Weltwundern gehörte, den rund 34 Meter hohen Koloss von Rhodos. Die Bronzestatue zeigte Helios und soll, auf zwei Sockeln stehend, die Hafeneinfahrt des Mandraki-Hafens überspannt haben. Inzwischen geht man davon aus, dass die Statue an einem anderen Standort in der Stadt und auf nur einem Sockel gestanden haben soll. Überprüfen lässt sich der Standort des Koloss von Rhodos leider nicht mehr, weil die Statue schon im Jahr 227 v. Chr. durch ein Erdbeben zerstört wurde.
Wechselhafte Zeiten auf Rhodos
Während des Hellenismus im 2. Jahrhundert v. Chr. war Rhodos eine reiche Handelsmetropole und erlebte in dieser Zeit seine größte Blüte. Man unterstützte zeitweilig Rom, bemühte sich aber auch um Vermittlung zwischen Rom und Makedonien, was schließlich zu einer Belagerung der Insel durch die Römer führte. Später geriet die Insel mehrfach wechselnd unter byzantinische, venezianische und arabische Herrschaft.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die Insel mit Unterstützung des Papstes Eigentum des Johanniterordens, der mit seinen Ordensrittern sämtliche Belagerer der Insel entmachtete und die Stadt Rhodos stark befestigte. Noch heute überragt der Großmeisterpalast des Johanniterordens die Altstadt von Rhodos. Im Jahr 1523 unterlagen die Johanniter den Angriffen der Türken und verließen die Insel, die fortan wieder unter türkische Herrschaft fiel. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts dauerte die Herrschaft der Türken über die Insel an. Im Jahr 1912 wurde Rhodos von Italien besetzt, was dazu führte, dass die Insel nicht, wie andere Dodekanesinseln, von der Zwangsumsiedlung türkischer Einwohner betroffen war. Aus diesem Grund gibt es auf Rhodos auch heute noch eine muslimische, türkischstämmige Minderheit.
Im 2. Weltkrieg wurde die Insel trotz italienischer Verwaltung kurzzeitig von deutschen Truppen besetzt, bevor sie im Jahr 1948 zusammen mit anderen Dodekanes-Inseln zum Bestandteil des Königreichs Griechenland wurde.
|